Von unserem Batail­lon­skom­man­dan­ten Ober­stlt Sven ROTH

Sehr geehrter Herr Divi­sionär Brülisauer, lieber Willy

Geschätzte Sol­dat­en, Unterof­fiziere, höhere Unterof­fiziere und Offiziere des G Bat 23, Kameraden

Es ist schon fast 2 Jahre her, dass wir das let­zte Mal gemein­sam bei der Fah­nenüber­nahme zusam­menge­s­tanden sind. Eine gelebte Tra­di­tion die früher dazu diente, der Truppe die Fahne zu zeigen, so dass sie diese auf dem Feld wieder­erkan­nte. Üblicher­weise wieder­holen wir diese Zer­e­monie jedes Jahr schlicht und würdig.

Ver­gan­ge­nes Jahr hat das Coro­n­avirus für ordentlich Wirbel gesorgt und auch das Mil­itär war davon stark betrof­fen, sodass wir den WK 2020 nicht durch­führen konnten.

Kurz nach­dem die Kom­man­dan­ten und der Stab die WK-Pla­nung 2020 abgeschlossen hat­ten, fiel damals der Entscheid, dass wegen der Pan­demie die WK’ s des drit­ten und vierten Quar­tals gestrichen werden.

Umso schmer­zlich­er war dann let­ztlich die Absage des WK auch im Bewusst­sein, dass wir nun weniger Übung in unseren Kom­pe­ten­zen haben und dies jet­zt nach­holen müssen.

Der WK 2019 – unser let­zter gemein­samer WK – war in viel­er­lei Hin­sicht sehr lehrre­ich für uns. So haben wir die Ver­bandss­chu­lung mit Fokus auf die Ein­heit durchge­führt. Dabei haben Sie grosse Fortschritte im Bere­ich der Ein­satzmechanik Genie gemacht. Allerd­ings müssen wir uns bewusst sein, dass der Erfolg nicht nur vom Beherrschen der Geni­etech­nik, son­dern auch von der Gefecht­stech­nik und der Tak­tik abhängt.

Ausser­dem habe ich die Kohä­sion inner­halb der Ver­bände fördern wollen und es zeigte sich, dass diese bere­its sehr gross ist, was mich sehr freut. Dies möchte ich weit­er­hin aufrechter­hal­ten, da dies die Voraus­set­zung ein­er guten Zusam­me­nar­beit darstellt.

Auch die Kader­aus­bil­dung im Bere­ich Entschlussfas­sung und Befehls­ge­bung wurde durchge­führt mit der Idee, das Gesamtver­ständ­nis für den Ein­satz und die nächst höhere Stufe zu fördern. Es hat sich gezeigt, dass wir daran aber noch arbeit­en müssen sowohl in den Ein­heit­en als auch im Stab.

In den zahlre­ichen Übun­gen, welche wir absolvierten, haben sich sowohl unsere Stärken als auch unsere noch vorhan­de­nen Schwächen gezeigt. Eine solche Analyse ist sehr wichtig für die Fes­tle­gung der aktuellen WK-Inhalte.

Darum ist es mir eine grosse Freude, dass der diesjährige WK nun stat­tfind­en kann.

Den WK 2021 absolvieren wir in der schö­nen und mil­itär­fre­undlichen Ostschweiz. Ich freue mich, diesen Dienst mit Ihnen zusam­men bestre­it­en zu dürfen.

Wie Sie schon gemerkt haben, sind wir auch dieses Jahr nicht vol­lzäh­lig: Die Sap Kp 23/2 fehlt. Diese wird zeit­ver­set­zt ihren Dienst leis­ten. Doch dazu später noch mehr.

In den Vere­inigten Staat­en ist es Tra­di­tion, dass sich die amerikanis­che Bevölkerung gegenüber Sol­dat­en– ‘THX for your ser­vice’ dankbar zeigt. Haben Sie das auch schon erlebt, dass Ihnen in der Schweiz in Uni­form auf offen­er Strasse für den Dienst gedankt wurde? Ich durfte dies im let­zten Jahr anlässlich der Covid- Ein­sätze ein­ma­lig erleben.

In anderen Staat­en dage­gen wird nach dem gelebt, man bedankt sich regelmäs­sig bei Sol­dat­en – und sie haben Recht – wir / ICH muss dankbar sein, für das, was Sie tun – für Ihren Dienst an der Schweiz! In diesem Sinne – Danke, dass Sie hier sind / Danke für den Dienst im G Bat 23 und dass Sie sich für unser wun­der­bares Land einsetzen!

Auch bei unseren Gästen möchte ich mich bedanken. Mit Ihrem Erscheinen ehren Sie uns.

Ich darf namentlich begrüssen:

Den Kreiskom­man­dan­ten des Kan­tons Thur­gau, Oberst Gre­gor Kramer;

Den Stadt­präsi­den­ten von BISCHOFSZELL, Her­rn Thomas Weingart;

Den Ort­squartier­meis­ter von Bischof­szell, Her­rn Fran­co Capelli,

und den Mes­mer von Bischof­szell und Gast­ge­ber auf dieser schö­nen Wiese, Herr Köbi Men­zi. Wir freuen uns beson­ders auf seine musikalis­che Dar­bi­etung in weni­gen Minuten!

Weit­er Begrüsse ich auch alle anderen Gäste, die nicht weniger wichtig sind.

Auch speziell begrüssen möchte ich alle Neueingeteil­ten, alle diejeni­gen, die den ersten WK im G Bat 23 absolvieren – im jüng­sten Geniebatail­lon der Schweiz­er Armee.

Namentlich darf ich erwähnen:

Maj André Lüthi – neuer Kdt der Sap Kp 23/3

Hptm Fabio Peter – neuer Kdt der G Stab­skp 23

Im Stab sind die fol­gen­den Per­so­n­en neu – obwohl es sich zum Teil um erfahrene und bestens bekan­nte 23er handelt:

Lt Cyril Schaller

Hpt­fw Roger Aebi

Hpt­fw Raphael Grossenbacher

Four Raphael Pargger

Und als abver­di­enen­der Bat Kdt begrüsse ich Ober­stlt Philipp Schoch, meinen Nach­fol­ger, euren neuen Bat Kdt ab 2022.

Wir dür­fen die diesjährige Fah­nenüber­nahme an einem geschicht­strächti­gen Ort durch­führen. Ich möchte Ihnen kurz die Geschichte von Bischof­szell näher­brin­gen, damit sie diese schöne Stadt als Beispiel von Stärke und Willen ver­ste­hen, denn in ihrer Geschichte hat­te sie schwere Schick­sale zu ertra­gen, diese jedoch auch überwunden:

Der Kon­stanz­er Bischof und St. Galler Abt Salo­mo der Dritte. erbaute zu Beginn des 10. Jahrhun­derts einen Turm als weltlich­es Ver­wal­tungszen­trum der bis­chöflichen Güter sowie die Stift­skirche St. Pelag­ius. Dem Etap­penort zwis­chen den bei­den Machtzen­tren Kon­stanz und St.Gallen ver­dankt die Stadt den Namen als «des Bischofs Zelle». Der Lan­dadel nahm bald in bewehrten Frei­höfen Wohn­sitz. Handw­erk­er und Händler siedel­ten sich an. 1248 wird Bischof­szell erst­mals als Stadt urkundlich erwähnt.

Bischof­szell erlebte drei Stadt­brände: 1273, 1419 und 1743. Der Let­zte war der Schlimm­ste. Rund siebzig Häuser fie­len den Flam­men zum Opfer, darunter auch das Rathaus. Die Gebrüder Gruben­mann aus dem Ausser­rhodis­chen planten den Wieder­auf­bau der Stadt und errichteten ein Dutzend stat­tliche Bürg­er­häuser. 1987 wurde die Stadt Bischof­szell als erste Thur­gauer Gemeinde durch den Schweiz­er Heimatschutz mit dem renom­mierten Wakker­preis geehrt.

Ein schönes Beispiel dafür, dass man sich auch durch die Brände und die Zer­störung nicht ent­muti­gen liess und mit Eifer und Behar­rlichkeit erhal­ten und Neues erschaf­fen kon­nte, sodass wir heute hier in dieser wirk­lich schö­nen Stadt ste­hen dürfen.

Diesen Eifer und diese Ziel­stre­bigkeit kön­nen wir uns als Vor­bild nehmen.

Ein­lei­t­end habe ich mich bei Ihnen bedankt, dass Sie mit dem KVK 4 Wochen – also ein 13tel Jahr oder ohne KVK 3 Wochen und somit ein 17tel Jahr für die Armee investieren. Aber für was? In Europa ist es doch friedlich und es gäbe noch genug Zeit, uns vorzu­bere­it­en, wenn wir dann müssten, oder!?

  • Gilets Jaunes in Frankreich
  • Der BREXIT
  • Hät­ten wir gedacht, dass eine demokratisch gewählte Regierung Öster­re­ichs auf­grund eines Videos so schnell in einem europäis­chen Land zurück­treten muss.
  • Cyber­at­tack­en
  • In Europa sind in mehreren Län­dern die Stre­itkräfte im Lan­desin­nern täglich im Ein­satz – viele Europäis­che Armeen rüsten auf.
  • Covid
  • Kli­mawan­del / Unwet­ter / Hitzewellen

Darum, Kam­er­aden, braucht es den Dienst an der All­ge­mein­heit. Und darum soll­ten wir uns immer wieder die Frage stellen, was kann ich für die All­ge­mein­heit tun anstatt umgekehrt. Denn wir sind die All­ge­mein­heit – wir sind das Kollektiv.

Diese Frage soll­ten Sie sich auch für den WK 2021 immer wieder stellen: Was kön­nen Sie dazu beitra­gen, dass Ihre Gruppe / Ihr Zug / Ihre Kp erfol­gre­ich ist? Zum Erfolg braucht es jeden einzel­nen von uns. Darum bitte ich Sie – geben Sie alles / geben Sie vollen Ein­satz und tra­gen Sie dazu bei, dass Sie am Woch­enende Pos­i­tives zu erzählen haben, getreu unserem Mot­to: Für den gemein­samen Erfolg schla­gen wir Brücken.

Unser Divi­sion­skom­man­dant hat uns die Auflage gegeben, im robusten Umfeld zu trainieren. Wie die let­zten Jahre wid­men wir uns der Ein­satzmechanik Genie unter erhöhter Bedro­hung. Unser WK-Pro­gramm sieht wie fol­gt aus:

In der aktuellen Woche erre­ichen wir die Bere­itschaf­tau­fla­gen mit­tels der Erstaus­bil­dung, in welch­er die Leis­tung der Gruppe im Vorder­grund ste­ht – ich gehe also davon aus, dass Sie die Hand­habung der Waf­fen und Geräte in kürzester Zeit wieder beherrschen und wir uns dem Zusam­men­spiel im Ver­bund wid­men können.

Die zweite Woche ste­ht im Zen­trum der Kom­panieübun­gen respek­tive in diesem Jahr dem Batail­lonsver­bands­drill “KEEP IT OPEN”, welch­er uns ermöglicht, einen Teil­stab und drei Kom­panien gle­ichzeit­ig im Ver­bund zu trainieren.

Dabei wird der Teil­stab in der Lagev­er­fol­gung trainiert mit den Zie­len, die Verbindun­gen und Mel­dun­gen zu erzwin­gen, die Führung­sun­ter­la­gen stets aktuell zu hal­ten und zu verbessern und in den Stel­lvertreter-Funk­tio­nen sat­telfest zu wer­den. Die G Stab­skp 23 sowie die Sap Kp 23/1 und Sap Kp 23/3 wer­den in ihren Kernkom­pe­ten­zen unter erhöhter Bedro­hung geschult und zwar solange, bis diese sitzen. Dabei ste­ht der Fokus auf den tech­nis­chen Arbeitsabläufen unter Ein­bezug der tak­tis­chen Grund­sätze und der Gefecht­stech­nik jedes Einzel­nen. Das Lage­bild ist allen bekan­nt und jed­erzeit aktuell zu hal­ten und die Führung­sun­ter­la­gen haben stets adäquat und ziel­gerichtet zu sein.

In der Woche 3 wer­den wir zusam­men mit dem Ter Div Stab­s­bat 4 und dem Inf Bat 65 durch den Divi­sion­skom­man­dan­ten und seinen Stab in der Ver­band­sübung “FEROX” trainiert – hier kön­nen wir beweisen, dass das G Bat 23 ein motiviertes Bat ist, ein Batail­lon, das alles daranset­zt, die Aufträge zu erfüllen! …und wir wer­den erfüllen!

Die Sap Kp 23/2 wird in unser­er WK Woche 3 in den KVK ein­rück­en. Ursprünglich wäre sie z G des eidg. Jubiläumss­chwingfests in Appen­zell eige­set­zt gewe­sen. Nun darf sie nachge­lagert mit mir zusam­men einen Ausb WK bestreiten.

Das alles kön­nen Sie online in in unserem Blog ver­fol­gen unter www.geniebataillon23.ch oder auf social media, auf unseren Insta­gram- und Facebookaccounts.

Was mir ein beson­deres Anliegen ist, ist der Umgang mit Mate­r­i­al und Maschi­nen. Sie mögen sich vielle­icht erin­nern, dass ich im let­zten WK bei der Fah­nenüber­nahme den Mate­ri­alver­lust des vor­let­zten WK the­ma­tisiert habe. Damals sagte ich Ihnen, dass wir einen Mate­ri­alver­lust von Fr. 3’081.95 zu verze­ich­nen hat­ten und obwohl dies ger­ade Mal 0,0062% unseres gefassten Mate­ri­al­w­ertes aus­machte, habe ich Sie ermah­nt, alles daran zu set­zen, den Mate­ri­alver­lust zu min­imieren. Nun darf ich Ihnen den Ver­lust des let­zten WK präsen­tieren: Mate­ri­alver­lust des gesamten Bat im WK 2019: Fr. 872.85! In Prozent kann ich das gar nicht mehr aus­drück­en, das sind wirk­lich viele Nullen.

Geschätzte AdA des G Bat 23: Ich grat­uliere Ihnen zu dieser Leis­tung her­zlich und bedanke mich für diesen tollen Erfolg, welch­er zweifel­los Ihnen zu ver­danken ist.

Ich wün­sche mir und Ihnen, dass wir an diesen grossar­ti­gen Erfolg anknüpfen kön­nen nicht zulet­zt als Aus­druck unser­er Sorge um das Geld der Steuerzahler.

Mehr noch als die Sorge zum Mate­r­i­al liegt mir die Sicher­heit eines jeden Einzel­nen von Ihnen beson­ders am Herzen. Seien Sie sich bewusst, dass wir mit schw­erem Gerät arbeit­en. Schon kleine Fehler kön­nen ver­heerende Auswirkun­gen haben. Denken Sie daher bitte stets an Ihre Sicher­heit und an die Ihrer Kam­er­aden. Durch kon­tinuier­lich­es Risiko­man­age­ment set­zen wir alles daran, dass Sie am Ende ein­er erfol­gre­ichen Dien­stleis­tung gesund und unversehrt nach Hause zu Ihren Lieb­sten ent­lassen wer­den können.

Bezüglich der Schutz­mass­nah­men im Rah­men der Coro­na-Pan­demie wer­den Sie merken, dass das Pro­gramm, die Raum­bele­gun­gen, die Hygien­evorschriften und vieles anders etwas schär­fer sind als Sie es sich aus dem zivilen Umfeld gewohnt sind. Dabei han­delt es sich um Vor­gaben des Bun­des und der Armee. Ich bitte Sie inständig, sich an die Schutz­mass­nah­men zu hal­ten, da schon ein fehlbar­er AdA eine ganze Kp in Quar­an­täne brin­gen kann. Das müssen wir um jeden Preis ver­hin­dern. Deswe­gen wer­den Sie auch speziell auf die jew­eils gülti­gen Vorschriften vor Ort hingewiesen. Für Ihre zuver­läs­sige und gewis­senhafte Umset­zung der verord­neten Mass­nah­men danke ich Ihnen bestens.

Nun wün­sche ich uns allen einen unfall­freien, inten­siv­en und fordern­den, lehrre­ichen – aber auch schö­nen WK 2021 mit vie­len guten Erleb­nis­sen und bester Kam­er­ad­schaft. Ich freue mich, Sie im Feld zu sehen und mit Ihnen trainieren zu dürfen!

Lassen Sie uns für den gemein­samen Erfolg Brück­en schlagen!

Ich danke Ihnen, werte Gäste, für Ihr Erscheinen und Ihre Wertschätzung, dem Kdt der Ter Div 4 für das Ver­trauen und der Presse für Ihre pos­i­tive Berichterstattung.